Technology & InternetHissen Sie die weiße Flagge: Persönlichkeiten und Kommunikationsstile in Social Media

In meiner Karriere bin ich vielen Menschen mit vielen verschiedene Persönlichkeiten und unterschiedlichstem Kommunikationsverhalten begegnet. Die meisten dieser Menschen haben einen Weg gefunden, mit anderen Menschen in ihrer eigenen, ganz speziellen und persönlichen Art in Kontakt zu treten.

Characters

Einige gehen auf Netzwerkveranstaltungen und sprechen mit jedem. Andere warten bis jemand anderes ein Gespräch startet. Manche müssen erst einen Vortrag halten, um ein Thema zu haben, über das sie sprechen können und wieder andere haben so eine fesselnde Persönlichkeit, dass sie andere allein durch ihre Präsenz magisch anziehen. Es gibt verschiedene Persönlichkeiten und Kommunikationstypen – und Sie werden Sie alle antreffen in Social Media!

Menschen sind Individuen und verhalten sie individuell. Wenn Sie einmal die grundlegenden Typen verstanden haben und sich ein paar Gedanken über deren Kommunikationsgewohnheiten gemacht haben, dann können Sie diese besser verstehen und Ihr eigenes Verhalten und die Art der Kontaktaufnahmen auf die unterschiedlichen Social Media Charaktere anpassen.

Der Schüchterne

Der Schüchterne startet eine Konversation selten selbst, er wartet bis jemand mit ihm spricht. In Social Media hat der Schüchterne ein Problem, da man nahezu unsichtbar ist, wenn man nicht an Konversationen teilnimmt. Der Schüchterne nimmt nie von alleine Kontakt auf. Um überhaupt irgend etwas mit Social Media zu erreichen, muss jedoch auch der Schüchterne Anreize für die Kontaktaufnahme bieten.

Im Offline-Netzwerken kann man den Schüchternen wenigstens in einer Ecke stehen sehen. Im Online Geschäft ist der Schüchterne nur schwer zu finden: wenn er nicht veröffentlicht oder kommuniziet, bleibt als einzige Chance, dass jemand über das Profil stolpert. Hoffen wir also, dass ein paar Keywords in den Profilen der Schüchternen den Suchbegriffen entsprechen.

Tipp: Seien Sie offen für eine Kommunikation mit dem Schüchternen, aber verschwenden Sie keine Energie in die Suche nach ihm. Auch der Schüchterne wird Wege finden müssen, auf andere zuzugehen, wenn er in Social Media überleben will.

Der Politiker:

Der Politiker springt auf jede Gelegenheit zur Kommunikation und Interaktion auf. Er kommentiert alles und jeden und fühlt sich in der Mitte von heißen Debatten am wohlsten – dabei behält er immer sein Ziel vor Augen. Der Politiker veröffentlicht großartige Beiträge mit der Mission, Diskussionen zu starten und Geschäfte daraus zu generieren.

In Social Media findet der Politiker eine große Bühne und sucht nach Möglichkeiten, aus seinem breiten Publikum Vorteile zu ziehen.

Tipp: Sie können den Politiker leicht finden und auch leicht in Kontakt treten, denn Kommunikation ist sein Lebenselixir. Bekannte und Follower des Politikers sollten dabei nie vergessen: der Politiker hat ein Ziel und seine Inhalte und Beiträge sind genau darauf ausgerichtet, dieses Ziel zu erreichen. Es wird schwer, die Aufmerksamkeit des Politikers von den eigenen Zielen abzulenken und auf ein Geschäft fest zu nageln, wenn der Politiker seine eigenen Vorteile nicht erkennt.

Der Selbstdarsteller:

Auch der Selbstdarsteller hat in Social Media seine eigenen Ziele und Beweggründe im Kopf. Anders als der Politiker  sucht der Selbstdarsteller allerdings nicht nach Kommunikation sondern nach einem Mikrophon. Der Selbstdarsteller beginnt Konversationen mit Informationen über seine eigenen Produkte und Services, nach Sekunden schafft er es, einen Pitch zu seinem Unternehmen unterzubringen und Ihnen einen Kauf vorzuschlagen. In jeder Diskussion – egal um was sich die Diskussion dreht – wird spätestens der zweite Satz des Selbstdarstellers einen deutlichen Hinweis auf die eigenen Produkte und Services enthalten.

Tipp: Der Selbstdarsteller wird Sie finden. Ihre Hauptaufgabe wird meist darin bestehen, den aufdringlichen Vermarktungsangriffen zu entgehen und wirkliche Informationen heraus zu pressen. Wollen Sie wirklich mit dem Selbstdarsteller kommunizieren, bereiten Sie sich darauf vor zuzuhören und zu kaufen (Sie werden es schwer haben, gehört zu werden). Schreiben Sie den Selbstdarsteller nicht zu schnell ab, oft hat er ein wirklich gutes Angebot dabei.

Der Helfer

Der Helfer gibt immer erstklassige Antworten und gutes Feedback. Er liefert aufschlussreiche Informationen mit seinen Social Media Beiträgen. Es lohnt sich immer, dem Helfer auf Twitter zu folgen. Aus den Tweets werden Sie viel Wissen und viele nützliche Links ziehen können. Mit dem Helfer ist man gerne verknüpft, denn er liefert gerne gute Antworten.

Tipp: Der Helfer ist der ideale Social Media Kontakt. Sie gewinnen viel aus seinem Wissen und seiner Bereitschaft zu teilen. Sollten Sie jemals die Produkte oder Services des Helfers in Anspruch nehmen, werden Sie das mit einem guten Gefühl machen. Umgekehrt wird der Helfer oft gerne auch Ihnen mit wertvollen Kontakten und Interessente für Ihre Produkte aushelfen.

Der Nörgler:

Es kommt nicht darauf an, was Sie veröffentlichen, der Nörgler wird immer ein Haar in der Suppe finden (es ist zu lang, zu kurz, zu rund, zu eckig, zu grundlegend, zu speziell, der falsche Tag, die falsche Uhrzeit, zu viel Information, zu wenig Information, uvm.). Von dem Nörgler können Sie viel Kreativität für negative Kommentare ohne jede Substanz erwarten.

Tipp: Niemand wird sich allen Erstes gerne mit dem Nörgler verbinden oder Geschäfte mit ihm machen. Der Nörgler ist ganz sicher kein optimaler Geschäftspartner, denn auch an einem Geschäft wird er immer etwas auszusetzen haben: Ihre Produkte, Ihre Services, Ihr Verhalten, Ihr Geld, Ihr Land – und was immer noch dem Nörgler so einfällt, es ist nie richtig.

Der Direkte:

Der Direkte hat immer ein klares Ziel vor Augen: Ihre Kontaktinformationen. Er hält sich nicht mit Small Talk auf, sondern geht direkt auf sein Ziel zu: klären was Sie machen und wenn es passt, erklären, was er Ihnen bieten kann.

Tipp: Der Direkte wird Sie ansprechen, wenn er glaubt, dass er etwas aus einer Verknüpfung mit Ihnen heraus ziehen kann. Haben Sie ein Angebot, welches erst umfangreich erklärt werden muss, kann es sein, dass der Direkte nicht lange genug zuhört. Ihre Konversation mit dem Direkten sollte immer kurz und auf den Punkt sein, also üben Sie Ihren Pitch.

Der Unterhalter:

Der Unterhalter nutzt Social Media als eine Bühne. Anders als der Selbstdarsteller oder der Politiker bringt der Unterhalter genug Unterhaltung und Sympathie in seine Beiträge um eine treue Gemeinde an Followern anzuziehen.

Tipp: Nehmen Sie Kommentare von dem Unterhalter nicht zu ernst, seien Sie offen für Humor. Mit dem Unterhalter ist es einfach in Kontakt zu treten, schwerer ist es eine Konversation aufzubauen und am Leben zu halten. Genießen Sie die Beiträge der Unterhalter, aber verstehen Sie dessen Motive, bevor Sie in Geschäfte mit dem Unterhalter einsteigen.

Der Geschichtenerzähler:

Der Geschichtenerzähler ist nie um eine gute Geschichte verlegen, er produziert gute Inhalte, gute Erzählungen und besitzt große Ergebenheit und Offenheit. Geschichtenerzähler sind oft gute Content Marketing Personen oder einfach Menschen wie Sie und Ich, die eine Begabung dafür haben, mit ihren Geschichten die Aufmerksamkeit eines interessierten Publikums zu wecken. Der Geschichtenerzähler erhält oft viele ‚Likes’ und Kommentare.

Tipp: Finden Sie heraus, mit welchem Typ des Geschichtenerzählers Sie es zu tun haben. Geht es dem Geschichtenerzähler um die Geschichte selbst, oder zielen die Geschichten eigentlich auf ein Geschäft ab? Auch wenn der Geschichtenerzähler Ihnen viel Wissen beibringen kann und zur Unterhaltung beiträgt, kann es schwer werden, den Geschichtenerzähler von seiner eigenen Geschichte abzulenken und auf Ihre Geschichte aufmerksam zu machen.

Der Freund:

Der Freund denkt nicht an Geschäfte in Social Media. Der Freund hat einfach Freude an Kommunikation, Unterhaltung und der Verbreitung von Nachrichten. Das ist sein Motiv hinter der Verknüpfung in Sozialen Netzen.

Tipp: Ist der Freund wirklich Ihr Freund – nehmen Sie die Verbindung als das was sie ist: Freundschaft. Zeigt der Freund Anzeichen von Interesse an Ihren beruflichen Interessen und Angeboten und ist er der Freund eines Freundes oder Bekannten oder einfach nur lose mit Ihnen bekannt: versuchen Sie Ihr Glück und finden Sie heraus, wie Ihre Interessen sich überschneiden – die Zusammenarbeit könnte Spaß machen.

Der Komödiant:

Der Komödiant ist immer hinter dem Lacher her, auch wenn seine Kommentare und Beiträge nicht halb so witzig sind, wie der Komödiant glaubt. Die Mission des Komödianten ist es geistreich zu erscheinen und humorvolle Interaktion zu inspirieren, aber oft schießt der Komödiant deutlich am Ziel vorbei.

Tipp: Lassen Sie sich unterhalten und lachen Sie mit, erwarten Sie aber nicht viel mehr – besonders auf dem geschäftlichen Level.

Die Weiße-Flagge:

Wir alle tragen nicht nur einen dieser Charaktere in uns, da unsere verschiedenen Persönlichkeiten sich meist überschneiden. Ungeachtet dessen, welche Persönlichkeit Sie für sich beanspruchen (auch die kann sie ändern je nach Tagesform, Stimmung, Lebenserfahrung, Stress-Level), Sie werden mit den verschiedenen Charakteren in Social Media in Berührung kommen. Erwarten Sie nicht, dass andere Personen sich verhalten, wie Sie es tun würden und Sie werden einige Male Frust und Ärger vermeiden können. Seien Sie offen gegenüber den verschiedene Charakteren und deren persönlichen Verhaltensmustern. Wir haben alle unsere eigenen Motivationen und Ziele, wie eben alle anderen auch.

Andere Persönlichkeiten akzeptieren hilft auch dabei, Social Media besser genießen zu können!

Sie benötigen Unterstützung bei Ihrem eigenen Content Marketing und Social Media? Wir helfen Ihnen gerne weiter, sprechen Sie uns an - hier gibt es mehr Informationen.

Author

Susanna_gebauer_exploreb2bDr. Susanna GebauerexploreB2B GmbHGeschäftsführer, Gründer

Discussion

Michael SchmittMichael SchmittWeisse Flagge? Wieso

Liebe Frau Dr. Gebauer,

ein wirklich sehr interessanter Artikel mit den verschiedenen Typen, die wahrscheinlich mit einer Farbtypisierung noch gut zu ergänzen wäre bzw mit einer Hinführung zu Limbic.

Mit dem Bild der weissen Flagge, die ja gemeinhin Aufgabe signalisiert, kann ich allerdings nichts anfangen. Aufgeben?? Nein, jetzt fängt der Spaß doch erst an.

Viele Grüße
Michael Shmitt

Reply
Dr. Susanna GebauerDr. Susanna Gebauer

Lieber Herr Schmitt,

vielen Dank, ich freue mich sehr, dass dieser Blickwinkel auf die Social Media Nutzung auf Interesse stößt.

Ich hatte die weisse Flagge nicht als Aufgabe-Symbol gesehen, sondern eher als Friedensangebot. Ich bekomme manchmal den Eindruck, dass viele Teilnehmer in Sozialen Netzwerken eher "gegeneinander" argumentieren und diskutieren, ich vermisse da etwas die Toleranz: gegenüber anderen Meinungen, Herangehensweisen und Blickwinkeln. Und dieser Beitrag sollte durchaus auch ein bisschen Verständnis für die unterschiedlichen Charaktere, Nutzungsmotive und Befindlichkeiten einfordern.

Ich hatte die weiße Flagge als Aufruf für mehr Miteinander anstelle von Gegeneinander verstanden.

Viele Grüße,
Susanna Gebauer

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Michael SchmittMichael Schmitt

Liebe Frau Gebauer,

ein interessanter Punkt.

Meiner Meinung nach kommt das daher, weil viele Menschen noch kein Gespür für die "Tonart" in sozialen Netzwerken entwickeln konnten. Also im Gespräch entscheiden ja auch Mimik, Gestik, ein Lächeln , ein Kopfschütteln, ein Niken zur Verstärkung oder Abmilderung des Gesagten.

Das funktioniert in den Sozialen Netzwerken noch nicht gut und ist aus meiner Sicht eine der Ursachen für das starke Pro und Contra der Positionen.

Viele Grüße
Michael Schmitt

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Dr. Susanna GebauerDr. Susanna Gebauer

Hallo Herr Schmitt,

dei fehlende Gestik und Mimik ist allerdings gerade bei Neulingen ein unterschätztes Problem. Mir selbst ist es in meinen ersten Forendiskussionen so gegangen, dass ich Menschen verletzt habe und gar nciht verstanden habe, warum. Ich hatte den Beitrag mit einem Augenzwinkern und Lächeln getippt...

Allerdings gestehe ich, dass ich immer wieder überrascht wie viel negative Äusserungen bzw. einfaches Niedermachen von Beiträgen in manchen Netzwerken an der Tagesordnung ist. Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, warum man eine Reaktion "finde ich völlig uninteressant" mit so viel Nachdruck posten muss. Wenn wir alle immer nur das schreiben, von dem wir ausgehen, dass es ALLE interessiert, dann werden Foren, Diskussionsgruppen und Blogs sehr schnell sehr leer sein.

Herzliche Grüße,
Susanna Gebauer

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Monika BirknerMonika BirknerWeitere Typologie

Hallo Frau Dr. Gebauer,

danke für diese sehr interessante Auflistung verschiedener Persönlichkeitstypen in den Social Media und wie man am besten damit umgeht. Mir sind alle der von Ihnen beschriebenen Typen bereits begegnet, sowohl online wie auch bei Veranstaltungen.

Ihre Botschaft, sich gegenseitig mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, kann ich nur unterstreichen.

Ich hatte vor längerer Zeit einmal eine eigene Liste erstellt, die insbesondere meine Erfahrungen bei Twitter reflektierte, aber sich auch generell auf Social Media übertragen lässt. Vielleicht ist ein Vergleich interessant:

• Der Emotionale: kommuniziert die aktuellen emotionalen Befindlichkeiten (gefreut oder geärgert), kleine Ereignisse des Alltags (Mittagessen) u.ä.

• Der Zitate-Kenner: seine Beiträge sind überwiegend Zitate lebender oder verstorbener Größen

• Der aggressive Verkäufer: versucht in erster Linie, seine Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen

• Der Empathische: kümmert sich viel um die Belange der anderen, reagiert auf deren Beiträge usw.

• Der Belesene: bringt viele Hinweise auf Blog-Artikel, Links, Studien, Videos etc.

• Der Experte: konzentriert sich auf Beiträge aus seinem Fachgebiet, zum Teil eigene Fachartikel oder Erfahrungen, Erfahrungen seiner Kunden/mit seinen Kunden, Buchhinweise etc.

• Der Nichtssagende: die wesentlichen Beiträge sind „Guten Morgen“ und „Ich mache jetzt Feierabend“

• Der Vielseitige: äußert sich „querbeet“ zu allem Möglichen

Sicher gibt es noch andere Typologien. Im Laufe der Zeit ist mir aufgefallen, dass es zwischen den einzelnen Social Media Unterschiede gibt. Insofern wäre noch eine auf das jeweilige Medium bezogene Typologie interessant. Vielleicht hat jemand dazu noch Gedanken.

Herzliche Grüße
Monika Birkner

Reply
Dr. Susanna GebauerDr. Susanna Gebauer

Hallo Frau Birkner,

vielen Dank für die vielen Anregungen für weitere Charakter-Typen. Vielleicht sollte ich mal einen zweiten Teil zu dem Beitrag schreiben.

Ich habe auch schon einmal darüber nachgedacht, die verschiedenen Netzwerke und die Nutzertypen zu vergleichen. Allerdings ist dabei die Verallgemeinerung sehr schwer, schon in verschiedenen Gruppen variiert das Verhalten teils sehr stark innerhalb einzelner Netzwerke. Zudem befürchte ich, dass die Verallgemeinerung von Nutzertypen auf die Netzwerke bezogen sehr schnell verletzend sein kann.

Ich gebe Ihnen allerdings recht, dass auch ich sehr deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Netzwerken, dem Verhalten innerhalb von Diskussionen und auch in der Kontaktaufnahme beobachte.

Viele Grüße,
Susanna Gebauer

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